Puch 230GE Kommando Expeditionsfahrzeug

Beschreibung Puch G Ausbau

Nach einem zweiwöchigen Urlaub auf Island zu Pfingsten 2017 erwachte in mir der Wunsch ein eigenes vierradgetriebenes Fahrzeug zu besitzen und erneut dorthin zu fahren. Nachdem ich mit meiner Familie in einem geliehenen Suzuki Jimny 4800 km Straße und Pisten gefahren war, wusste ich, dass der Allradler etwas größer sein musste. Ich träumte schon immer (seit meinem Wehrdienst) von einer G-Klasse. So war eine erste Auswahl schnell gefunden, doch nach wochenlangem Grübeln, wurde mir klar, dass die „normale“ G-Klasse für das Projekt Island und nördliche Länder einfach zu klein ist. Der Wohnraum ist sehr begrenzt und nachts muss man das Fahrzeug eventuell auch mal verlassen. Das wollte ich jedoch auf keinen Fall, da ich von meinem Wohnwagen verwöhnt, den Luxus eines eigenen Bades sehr schätze.

Nun kam der Puch G mit Hochdach ins Spiel. Hier ergaben sich viele Ausbaumöglichkeiten, wobei es einiger Tüftelei bedurfte bis ein guter Grundriss gefunden werden konnte, der alle Anforderungen erfüllt. Also Schlafen und Bad in einem sehr begrenzten Raum.

Der Schlafplatz musste also über die Sitze erweitert werden, damit davor noch Platz für Bad und WC und zum Ankleiden blieb.

Die Liegefläche wird also teilweise über den Sitzen heraufgekurbelt oder darüber verstaut, wobei der Lattenrost aus vier Kevlar-Sandblechen besteht, die bei Bedarf schnell einsatzbereit sind und deutlich leichter sind als vergleichbare Aluminiumbleche.

Die Fenster werden in der Praxis noch mit Isoflexmatten (hier nicht im Bild) verdunkelt, die ich hierfür anfertigte und mit Klettbändern versah, damit sie dicht am Rahmen anliegen.

Da es auf Island recht kalt werden kann, ist eine Eberspächer Standheizung von mir eingebaut worden. Das Fahrzeug verfügt über eine 24V Bordspannung und eine 12V Versorgungsspannung mit dritter Batterie, die auch über ein mobiles 90W Solarpanel geladen werden kann, aber im Fahrbetrieb durch einen Ladebooster mit dem 24V Netz gekoppelt wird.

Mit an Bord ist die obligatorische Engel Kompressor Kühlbox, sowie ein zweiflammiger Origo Spirituskocher. Die Beleuchtung im Innenraum wird durch fünf LED Spots und eine 24V Transistorlampe stets sichergestellt. Mit dieser Kombination vermied ich es eine Gasinstallation an Bord zu haben.

Zusätzlich ist ein Wassertank, der von Außen über die Versorgungsklappe ( 220 V Landstrom, 12 V Solarstromeinspeisung, Wassereinfüllstutzen und Lüftungsgitter für den Spirituskocher) zu befüllen ist, verbaut.

Dieser ist an einen versenkbaren Wasserhahn aus dem Yachtzubehör über eine 12 V Pumpe angeschlossen.

Hintergrund der zweigleisigen Stromversorgung ist, dass das Fahrzeug auch bei leer gesaugter Versorgungsbatterie weiterhin startklar bleibt und während der Fahrt geladen werden kann.

Des Weiteren habe ich die Vordersitze neu bezogen und mit einer Sitzheizung ausgestattet, sowie ein zum Fahrzeug passendes Radio mit CD Wechsler und Soundsystem eingebaut. Zusätzlich nutze ich den Raum durch eine Mittelkonsolenbox mit zwei integrierten Getränkehaltern, in die auch gut Fotoobjektive passen.

Im Außenbereich achtete ich vorwiegend darauf den Originalzustand zu erhalten und die Anbauten so gering wie möglich zu halten, dadurch bleibt das Fahrzeug außen kompakt und nicht an jedem Ast im Gelände hängen.

Zwangsweise musste zum Durchwaten von Furten in Island ein Schnorchel verbaut werden, dieser ist jedoch abnehmbar und kann bei Nichtbedarf durch das Lösen von fünf Schrauben durch eine ebenso ansehnliche Blende ersetzt werden.

Die bestehende Hutze für die Funkantenne wurde zum Sockel für einen alten Feuerwehrscheinwerfer, der seine Aufgabe sehr gut erfüllt und das Fahrzeugäußere abrundet.

Der Innenausbau wurde mit den bekannten Casemaker Profilen bewerkstelligt. Da ich jedoch Alunieten nicht für sehr ansehnlich erachte, verwendete ich schwarze Edelstahlschrauben. Die Füllungen wurden aus Buchensperrholz gefertigt, die ich zusätzlich mit Buchen Edelfurnier belegte und mit natürlicher Hartöllasur einließ. So sind diese Flächen so widerstandsfähig wie ein Holzfußboden. Die Bodenplatte wurde aus einer Siebdruckplatte gefertigt und mit den entsprechenden Ausschnitten für die Zugänge zur Fahrzeugtechnik versehen und anschließend mit einem herausnehmbaren Sisalteppich passgenau belegt.

Im hintersten Schrank befindet sich das mobile WC, darüber ist die versetzbare Bettzeugbox angeordnet. Daneben befindet sich die große Truhe, unter der auch die dritte Fahrzeugbatterie mit dem Ladebooster verbaut ist.

 

In dieser Truhe ist unten eine Klappe, in der die beiden Faltstühle und der Tisch für den Außenbereich verstaut werden, so sind diese leicht und immer zugänglich.

Zwischen den Sitzen steht die Engel Kühlbox, die auch während der Fahrt als Armstütze fungiert und kühle Getränke bietet. Darüber befindet sich der höhenverstellbare Tisch, der auch Bestandteil der Liegefläche ist.

Auf der rechten Fahrzeugseite ist die kleine Truhe angeordnet, unter der die Standheizung  verbaut ist und in der sich die gesamte Stromversorgung und der Solarregler befindet. Für besonders kalte Nächte sind hier noch zwei 12V Steckdosen für Heizdecken eingebaut.

Im Anschluss steht die Küche, die den Origo Spirituskocher beinhaltet und das Spülbecken mit Tank und versenkbarem Wasserhahn.

Das Besteck bekam eine eigene Tasche, die ein Klappern während der Fahrt verhindert. Der Messerblock macht das Gleiche für die Schneidwaren.

Der Kocher kann zusätzlich mit einem Handgriff auf den kleinen Klapptisch an der Außentür gestellt werden und so entsteht eine windgeschützte Außenküche.

Nahezu alle Türen und Truhendeckel bleiben auch mit aufgebautem Bett zugänglich und können genutzt werden, dadurch muss bei einer längeren Standzeit das Bett auch nicht täglich umgebaut werden, wenn man die Abende zum Beispiel im Freien verbringt und außen kocht. Dazu verfügt das Fahrzeug über ein von mir genähtes Winkelvordach aus wasserdichtem Material mit festem Gestänge für mehrtägigen Einsatz und über ein Bogensonnendach, welches mit wenigen Handgriffen für den täglichen Einsatz gedacht ist und je nach Standort und –dauer verwendet werden kann.

Der Dachhimmel wurde im Wohnbereich zusätzlich mit einem brandhemmenden, schaumstoffkaschiertem Dachhimmelstoff aus dem KFZ Bereich bespannt. Auf den Spannleisten ordnete ich zwölf Haken an, die vor allem Kleidungsstücke aufnehmen sollen und für Ordnung im Fahrzeug sorgen.

Zusätzlich kann auf dem Ersatzrad ein farblich passender Fahrradträger für zwei Mountainbikes angebaut werden, der mit der Tür nach außen klappt.

Der Zugang zum Innenraum erfolgt über eine Edelstahlteleskopleiter, die bei schwerem Gelände auch nach oben geklappt und gesichert werden kann, und so den Rampenwinkel nicht beeinflusst.

Insgesamt war das Ziel des Ausbaus eine möglichst gemütliche Atmosphäre bei hoher Stabilität zu schaffen. Ich hoffe nun, dass mir dies weitestgehend gelungen ist, weiß jedoch auch, dass ein solches Projekt niemals abgeschlossen ist und freue mich darüber.